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Gigaherz.ch 98. Rundbrief Seite 15
 Ihre Verwirrung jetzt in Glaubensfrage umzumün- zen und aus Trotz der Motion zuzustimmen ist eine allzu billige Reaktion.
O-Ton Pascale Bruderer-Wyss (SP AG)
„Ich möchte der Kommission danken. Ich bin nicht Mitglied der Kommission. Ich habe die Unterlagen studiert und habe zur Kenntnis genommen, dass es eine sehr profunde Überprüfung des Sachver- haltes gegeben hat und dass Sie auch breit ent- sprechende Anhörungen durchgeführt haben. Für mich haben Sie mit der Zustimmung zur Motion auch einen nachvollziehbaren Beschluss gefasst.
Die Motion schlägt ja einen Schritt vor, der nicht allzu weitgehend ist. Man könnte weiter gehen. Wenn man die Grenzwerte anschaut, wie sie auch von der WHO empfohlen werden, wenn man die internationalen Vergleiche mitberücksichtigt, wenn man sieht, dass in Zukunft vielleicht noch weiter gehende Bedürfnisse auf uns zukommen werden, die nicht nur unbedingt in Richtung einer Erhöhung der Kapazität gehen, sondern auch in Richtung einer Flexibilisierung usw.“
So, so, sie haben zur Kenntnis genommen, dass es eine sehr profunde Überprüfung des Sachverhalts gegeben hat. Etwa indem 12 „Experten“ der Mo- bilfunkindustrie angehört wurden und kein Einzi- ger aus dem Umfeld der Mobilfunkkritiker und mit äusserstem Widerwillen noch gerade 2 Vertreter der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz, die sich pikanterweise erst noch selber eingeladen haben. Ein krasseres Missverhältnis ist da kaum mehr vor- stellbar.
Und was schon bei der Kritik zum Votum von Herrn Graber gesagt wurde: die Grenzwertempfehlungen WHO würden Sie besser aus dem Spiel lassen. Diese sind nicht von der WHO sondern von einem priva- ten Verein, welcher sich Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung nennt, und nichts anders als eine Lobbyistengruppe der Mobilfunk-und Stromindustrie ist, welche auch die WHO bearbeitet.
„Darum glaube ich, dass wir uns der Diskussion zu Alternativen stellen müssen. Unter diesem Ge- sichtspunkte komme ich zum Schluss, dass dieser moderate Vorschlag hier sinnvoller ist, als mehr Antennen aufzustellen, als nötig ist, oder als uns der Diskussion zu verweigern, wie wir sonst dem steigenden Bedarf begegnen wollen. Aber um diese Diskussion kommen wir gar nicht herum. Das ist der Grund, warum ich zu dieser Motion Ja
sagen werde, warum ich ihr zustimmen werde.“
Die elektrische Feldstärke, das heisst die Strahlung in Volt pro Meter bei den Anwohnern von beste- henden Mobilfunkantennen um das 3.5-Fache er- höhen zu wollen, was rund 12mal stärkere Sender erlaubt, finden wir nicht gerade moderat. Das ist St.Florians-Politik im Quadrat. Diejenigen, die schon leiden, noch ärger zu belästigen, damit man Ihnen, Frau Bruderer, nicht etwa auch noch einen Stängel mit herzigen kleinen Antenneli an den Gartenzaun stellt, finde ich höchst egoistisch. Wir fragen uns, ob Sie am Ende nicht etwa in der falschen Partei sind?
O-Ton nochmals Hans Wicki (FDP NW)
„Zu dieser Flut an Meldungen von Leiden der Be- völkerung, die uns da erreicht hat: Ich habe das verstanden, ich verstehe diese Bevölkerungsteile sehr gut. Aber wir müssen uns bewusst sein: Un- sere Gesellschaft wird immer leidende Teile haben bei irgendwelchen Elementen, in denen wir uns bewegen. Das kann nicht der Grund sein, dass wir uns einer Entwicklung entziehen wollen. Ich muss diesen leidenden Bevölkerungsteilen schon sagen: Wenn wir dieser Grenzwerterhöhung zustimmen würden, hätte das den Vorteil, dass wir Nein zu Tausenden von neuen Antennen sagen würden. Denn wenn wir der Erhöhung nicht zustimmen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass die Ent- wicklung trotzdem weiter voranschreiten wird. Wenn die Technologie aufrechterhalten werden soll – und das wird sie vermutlich -, dann werden die Anbieter einfach mehr Antennen aufstellen, damit sie die Bedürfnisse der Konsumenten auch erfüllen können.“
Herr Wicki, wir glauben Ihnen nicht, dass Sie den leidenden Teil der Bevölkerung verstanden haben. Ansonsten würden Sie diesem nicht mit tausenden von neuen Antennen drohen, wenn der Grenzwer- terhöhung nicht zugestimmt würde. Sie lassen der leidenden Bevölkerung nur die Wahl zwischen Cho- lera und Pest. Und wenn es schon immer Bevölke- rungsteile gegeben hat, die unter einer Technologie gelitten haben, so ist es diesmal ganz anders. Beim Mobilfunk gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr. Diese Verseuchung ist flächendeckend
„Auch ein erhöhter Grenzwert, muss ich Ihnen sa- gen, wird fünf- bis sechsmal tiefer sein – und ent- sprechend mehr Sicherheit bieten – als der Grenz- wert, der von der Weltgesundheitsorganisation definiert wird.“
Ahaa, jetzt kommen wir der Sache schon näher. Sie




















































































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