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Gigaherz.ch 94. Rundbrief Seite 10
 Das Konzept zum EMF-Monitoring.
Ein schlechter Silvesterscherz des Bundesrates?
von Hans-U. Jakob, Schwarzenburg, 28. Dezember 2015
An seiner letzten diesjährigen ordentlichen Sitzung vom 18. Dezember 2015 verabschiedete der Bun- desrat noch rasch ein Konzept für das Monitoring elektromagnetischer Felder. Das wäre an und für sich eine gute Nachricht, aber die weitaus bessere ist, dass die Finanzierung weder geregelt noch ge- sichert ist und dass die dafür erforderlichen 7 Mil- lionen mit an Sicherheit grenzender Wahrschein- lichkeit der Sparwut der eidgenössischen Räte zum Opfer fallen werden. Und das ist gut so.
Denn dieses Konzept weicht in allen Teilen weit vom ursprünglichen Auftrag ab, welcher der Bundesrat in Form des Postulates von Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne) und 67 mitunterzeichnenden Parla- mentariern am 2. August 2009 gefasst hat.
Bereits die Dauer von über 6 Jahren vom Auftrags- eingang bis zum Vorliegen eines Konzeptes mit Kos- tenschätzung und die darin nochmals veranschlag- te Dauer von 5 Jahren bis zum Funktionieren des Monitorings, also insgesamt 11 Jahre, ist ein Witz. In dieser Zeit konnten und können die Mobilfunkbe- treiber weiterhin völlig ungestört ihren Antennen- wald auf Teufel komm raus aufforsten und wuchern lassen.
Bis im Jahr 2021, also dann, wenn das Monitoring frühestens greifen könnte, werden wir, wenn das so weitergeht wie im Bild 1, in der Schweiz voraussicht- lich 22‘000 Mobilfunkantennen-Standorte haben.
Der ursprüngliche Auftrag von Dr. med. Yvonne Gil- li an den Bundesrat, die Expositionssituation der Bevölkerung betreffend nichtionisierender Strah-
lung in Form eines Langzeitmonitorings dauerhaft zu überwachen, um die Bevölkerung vor allfälligen langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen zu be- wahren, wurde kurzerhand in eine Mogelpackung an Beruhigungspillen für die Bevölkerung umge- wandelt. Wörtlich heisst es auf Seite 4 des vom Bundesrat verabschiedeten Konzepts:
Etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölke- rung schätzt die Strahlung von Mobilfunkantennen als gefährlich oder eher gefährlich ein. Wie hoch die Immissionen durch NIS im heutigen Lebensumfeld tatsächlich sind, ist hingegen den wenigsten Bürge- rinnen und Bürgern bekannt. Dies dürfte ein Grund für das latente Unbehagen weiter Teile der Zivilge- sellschaft gegenüber Anlagen für die Stromübertra- gung und die Mobilkommunikation sein. Erstes Ziel eines NIS-Monitorings ist deshalb, der Bevölkerung auf der Basis von objektiv erhobenen Daten über ihre Exposition durch NIS eine rationale Auseinan- dersetzung mit der Thematik zu ermöglichen und diese zu fördern.
Ursprünglicher Auftrag wird ins Gegenteil verdreht
Etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölke- rung wird vom Bundesrat als zu dumm eingestuft, um die Gefahr nichtionisierender Strahlung, ausge- hend von Mobilfunksendern und Hochspannungs- leitungen, richtig einzuschätzen zu können. Deshalb muss diese Hälfte jetzt mit „objektiv“ erhobenen Daten über ihre Exposition so aufgeklärt werden, dass alles gar nicht so schlimm und schon gar nicht etwa noch gefährlich sei.
  Bild 2: Eine weitere Grafik des Bundesamt für Statistik zeigt auf, dass 52% der Schweizerinnen und Schweizer Mobilfunksender für Mensch und Umwelt als gefähr- lich oder eher gefährlich einschätzen
  Bild 1: Eine Grafik des Bundesamtes für Statistik zeigt das Ansteigen der Standorte von Mobilfunkantennen in der Schweiz von 3000 auf 17‘000 in den Jahren 1999-2014




















































































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